Schützt Meta unsere Kinder oder sperrt sie diese aus?

Juli Rutsch
Juli Rutsch

Am

Metas neue Sicherheitsmassnahmen könnten für Teenager ein zweischneidiges Schwert sein. Aber warum?

Kürzlich hat Meta neue Tools eingeführt, um zu verhindern, dass Jugendliche auf Facebook und Instagram auf Selbstverletzung oder Essstörungen achten.
Kürzlich hat Meta neue Tools eingeführt, um zu verhindern, dass Jugendliche auf Facebook und Instagram auf Selbstverletzung oder Essstörungen achten. - Depositphotos

Meta, der Social-Media-Gigant, hat kürzlich neue Sicherheitsmassnahmen eingeführt. Diese sollen jugendliche Nutzer vor schädlichen Inhalten auf Instagram und Facebook schützen.

Doch sind diese Massnahmen wirklich zum Vorteil unserer Jugend oder eher ein Fluch?

Sicherheit vs. Unterstützung: Ein schwieriger Balanceakt

Auf den ersten Blick scheinen die neuen Richtlinien von Meta sinnvoll zu sein – weniger Zugang zu potenziell gefährlichen Inhalten wie Selbstmord- oder Essstörungsthemen. Aber was passiert mit den Teenagern, die genau solche Themen in ihren Peer-Gruppen diskutieren müssen?

Meta sagte, es plane die Einführung einer Funktion, die verhindern soll, dass Jugendliche unerwünschte und unangemessene Bilder in ihren DMs sehen.
Meta sagte, es plane die Einführung einer Funktion, die verhindern soll, dass Jugendliche unerwünschte und unangemessene Bilder in ihren DMs sehen. - Depositphotos

Hier könnte Metas gut gemeinte Strategie nach hinten losgehen. In einer Welt, in der soziale Medien eine immer grössere Rolle spielen, suchen viele Jugendliche online nach Hilfe und Unterstützung bei Problemen und Herausforderungen des Alltags.

Die Gefahr besteht nun darin, dass durch das Blockieren bestimmter Inhalte auch dieser wichtige Austausch unterbunden wird.

Tech-Riesen vor dem Senat

Die Diskussion um Jugendschutz im Internet ist nicht neu. Immer wieder stehen Tech-Konzerne wegen ihrer laschen Handhabung von Jugendschutzbestimmungen in der Kritik.

Nun scheint sich jedoch etwas zu bewegen: Die Chefs von Meta, X (ehemals Twitter), TikTok, Snap und Discord werden vor dem Senatsjustizausschuss in den USA aussagen müssen. Es geht um den Schutz Minderjähriger vor sexueller Ausbeutung.

Ein Thema, das endlich die Aufmerksamkeit erhält, die es verdient. Die Aussage der Senatoren Dick Durbin und Lindsey Graham lässt hoffen: «Die Tech-Unternehmen werden endlich gezwungen, ihre Versäumnisse beim Schutz von Kindern anzuerkennen.»

Forschungsdaten enthüllen: Direkte Interaktion ist essentiell

Aber wie sieht es in der Realität aus? Wie nutzen Jugendliche soziale Medien wirklich? Eine Studie mit über 7 Millionen direkten Instagram-Nachrichten zeigt:

Direkte Interaktion zwischen Gleichaltrigen kann für junge Menschen entscheidend sein, wenn sie Unterstützung bei Themen suchen. Themen, die vom Alltag bis zu mentalen Gesundheitsproblemen reichen.

Jugendliche vor Inhalten aus dem Netz zu schützen, ist wichtig. Gleichzeitig wenden sich Jugendliche in den sozialen Medien an Gleichaltrige, um Unterstützung zu erhalten, die sie anderswo nicht bekommen können.
Jugendliche vor Inhalten aus dem Netz zu schützen, ist wichtig. Gleichzeitig wenden sich Jugendliche in den sozialen Medien an Gleichaltrige, um Unterstützung zu erhalten, die sie anderswo nicht bekommen können. - Depositphotos

Diese Erkenntnis unterstreicht einmal mehr die Bedeutung des privaten Austauschs für die Online-Sicherheit junger Menschen. Doch gleichzeitig birgt gerade dieser private Austausch auch Risiken.

So wurden in der Studie Nachrichten identifiziert, welche Belästigung, sexuelle Botschaften oder Hassreden enthielten.

Datenschutz vs. Jugendschutz

Das Problem dabei ist jedoch folgendes: Durch den Druck zum Datenschutz wird es immer schwieriger für Plattformbetreiber wie Meta automatisierte Technologien zur Erkennung und Prävention solcher Risiken einzusetzen.

Mit Metas Implementierung einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für alle Nachrichten auf seinen Plattformen wird der Inhalt von Nachrichten nur noch den Teilnehmern an Gesprächen zugänglich gemacht. Die Herausforderung liegt nun darin, jüngere Nutzer zu schützen, ohne ihre Privatsphäre zu verletzen.

Im Messenger erhalten Benutzer nur Nachrichten von Facebook-Freunden oder Personen, die sie in ihren Kontakten haben.
Im Messenger erhalten Benutzer nur Nachrichten von Facebook-Freunden oder Personen, die sie in ihren Kontakten haben. - Depositphotos

Eine mögliche Lösung könnte hierbei die Nutzung von Metadaten sein: So könnten riskante Konversationen identifiziert werden, ohne dass der Inhalt selbst gescannt und dadurch die Privatsphäre der Nutzer verletzt wird.

Einbezug junger Menschen

Letztendlich sollten jedoch junge Menschen und ihre Betreuer in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Sie sollten die Möglichkeit haben, Verschlüsselungen oder Risikoerkennungen einzuschalten oder beides gleichzeitig.

Damit sie selbst über das Verhältnis zwischen Datenschutz und Sicherheit entscheiden können.

Mehr zum Thema:

Weiterlesen

Kommentare