Warum sich Apple gegen das Recht auf Reparatur stellt

Juli Rutsch
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Eine Zeit lang schien es, als würde Apple hinter der «Right to Repair»-Bewegung stehen. Aber jetzt unterstützt es wieder Anti-Reparatur-Gesetze. Was ist los?

Die Fassade eines Apple Stores, die das Apfel-Logo von Apple zeigt.
Apple will verhindern, dass Nutzer ihre Geräte selbst reparieren können. - Depositphotos

Die Tech-Giganten sind bekannt für ihre Kontrolle über Produkte und Dienstleistungen, aber Apple scheint einen Schritt weiter zu gehen. In einem Versuch, seine Dominanz in der Technologiebranche zu behaupten, hat sich Apple gegen ein neues Gesetz in Oregon, USA, gestellt.

Dieses soll das sogenannte «Parts Pairing» verbieten, eine Methode, die Ersatzteile an ein bestimmtes Gerät binden will. Denn: Diese Methode würde verhindern, dass Teile eines defekten Geräts ausgetauscht werden könnten, egal ob durch den Besitzer oder selbstständige Reparaturservices.

Kalifornien als Feigenblatt?

Vor nicht allzu langer Zeit schien es so, als würde Apple die Bewegung zum «Recht auf Reparatur» unterstützen. Das Unternehmen hatte sogar den im Oktober letzten Jahres in Kalifornien erlassenen «Right to Repair Act» befürwortet.

Apple Logo Store Menschen Eingang
Apple scheint die Kontrolle über seine Geräte nicht abgeben zu wollen. - Depositphotos

Diese Gesetzgebung zwingt Unternehmen dazu, Geräteteile und Unterlagen zur Reparatur der Geräte bereitzustellen, und zwar auch Jahre nach dem Kauf spezifischer Geräte.

Jetzt aber zeigt Apple sich von einer neuen Seite.

Ökosystem mit Unmengen Abfall

Laut Tech-Experten führt das «Parts Pairing» dazu, dass alte oder defekte Geräte nicht mehr als Ersatzteilquelle dienen könnten. Reparaturen dürften nur «innerhalb» des Apple-Ökosystems erfolgen (oder am besten gar nicht).

Infolge sähen sich selbstständige Reparaturservices gezwungen, grösstenteils funktionierende Geräte wegzuwerfen, statt Teile von ihnen wiederverwenden zu können. Das ist ein klarer Verstoss gegen das Recht auf Reparatur und eine enorme Belastung für die Umwelt.

Trotz Apples Bekenntnis zu Nachhaltigkeit und den tatsächlichen Anstrengungen in Bezug auf Verpackungsreduktion sowie erneuerbare Energien steht die Haltung des Unternehmens zum «Parts Pairing» im klaren Widerspruch zu seinen grünen Versprechen.

Nutzer haben ein Recht auf Reparatur

Apple scheint mit seiner Strategie vor allem eines im Sinn zu haben: die vollständige Kontrolle über seine Produkte. Vom Design bis hin zur Reparatur.

iPhone offen Akku Austausch
Schon ein Akku-Wechsel eines iPhones kann aus einem alten Gerät wieder viel herausholen. - Depositphotos

Diese Besessenheit geht jedoch zulasten der Umwelt und verletzt das Recht der Nutzer, ihre eigenen Geräte nicht nur zu besitzen, sondern auch reparieren zu können. Das Recht auf Reparatur ist grundlegend für den tatsächlichen Besitz von Geräten und besonders wichtig in einer Zeit, in der alles mit einem Chip ausgestattet ist und als Wegwerfware gilt.

Nur durch Gesetzgebung kann dieses Recht gewährleistet werden. Eine Tatsache, die Apple scheinbar Angst einjagt – und Konsumenten unbedingt mehr Druck machen sollten.

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